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Aus der Vergangenheit unseres Gebäudes
Ein altes Gebäude könnte viel erzählen... und Menschen die es einst nutzten können es. Unser Haus in der Gutzkowstraße 30 war früher eine Schule. Am 26. Mai 1999 haben ehemalige Schüler uns besucht und sich "Ihre Schule" angesehen. Herr Wilfried Müller aus Dresden hat uns dazu seine Erinnerungen aufgeschrieben.
Mit dem Ende des 7. Schuljahres Ostern 1936 wurde das Pädagogische Institut, Teplitzer Straße umstrukturiert, der Schulbetrieb ganz eingestellt. Die Klassen kamen in mehreren umliegenden Lehranstalten unter.
Wir, eine gemischte Klasse mit 20 Schülerinnen und 14 Schülern erfuhren ganz kurzfristig, daß wir ab dem 8. Schuljahr die 50. Volksschule, Gutzkowstraße 30 zu besuchen hätten.
Zusätzlich zu der räumlichen Umgewöhnung kam, daß unsere Lehrer, an die wir 3 Jahre gewöhnt waren, uns nicht begleiten durften.
Weil aber der Mensch ein Gewohnheitstier ist, machten wir es den neuen Lehrkräften nicht gerade schwer, gemeinsam mit ihnen das Lehrziel der 8. Klasse zu erreichen.
Dann kam erneut ein Schnitt.
Etwa zwei Drittel der Schüler gingen ab ins Berufsleben, besuchten Handelsschulen oder andere Einrichtungen zur Weiterbildung.
Das verbleibende Drittel wurde aus Schulen gleicher Struktur aufgefüllt. Ergebnis: eine Mädchenklasse mit etwas über 30 Schülerinnen und eine Jungenklasse in gleicher Stärke. Ziel: nach 2 Jahren Abschluß mit dem Prädikat "mittlere Reife".
Der Lehrplan schloß die Fächer Englisch und Stenografie ein. Wahlfrei konnte Französisch und/oder Maschinenschreiben belegt werden.
Gute Stimmen hatten viele der Mädchen. Sie wirkten im Schulchor mit, was wir Jungen wegen des eintretenden Stimmbruchs unterließen. Dafür spielten einige Musikinstrumente und wurden später sogar Berufsmusiker.
Andere betätigten sich in Sportdisziplinen. Mit ist noch die Schulmannschaft meiner Altersgruppe im Fußball in guter Erinnerung. Regelmäßig führten wir Vergleiche mit anderen Schulen im Stadtgebiet durch.
Einmal wöchentlich fuhren wir nach dem Unterricht mit dem Fahrrad quer durch die Stadt zum Riesaer Platz (jetzt Pestalozziplatz): Schreibmaschinenunterricht bei Frl. Richter. Bei ungünstigem Wetter haben wir die 6 km zu Fuß zurückgelegt.
Zeichnen und Malen fand nicht nur im Schulhaus statt, sondern auch in der Natur. Die Fachwerkhäuser in Alträchnitz hatten es dem Zeichenlehrer besonders angetan.
In jedem Jahr konnten wir uns auf eine Mehrtagewanderung mit Aufenthalt in einer Jugendherberge freuen. Aus diesen Anlässen oder auch zu Fahren innerhalb des Stadtgebietes trafen wir uns - nicht wie allgemein üblich im Hauptbahnhof Kuppelhalle "unter dem Strick" - sondern am Bismarckplatz (jetzt Friedrich-List-Platz) vor einer unbekleideten Skulptur. Wir nannten sie "Nack'sch Anna". Übrigens steht sie mit Patina bedeckt noch heute am gleichen Platz.
Die Klassenlehrer Frl. Plötterl und Herr Pohlinck mit den anderen Pädagogen - Perl, Engel, Haag u.a. - bereiteten uns den Weg, daß wir im Frühjahr die Prüfung zur "Mittleren Reife" ablegen konnten.
Fünf Monate später war Krieg, an dem unsere Jahrgänge ab 1941 aktiv teilzunehmen hatten.
Man trag ab 1945 mal diesen oder jenen, der das Inferno überlebte und erhielt nach und nach einen Überblick über die Lücken, die der Krieg riß. Von den Jungen war nur jeder zweite heimgekehrt. Wer von den Mädchen Kriegsopfer wurde, konnten wir nicht erfahren.
Die Umgebung unserer Schule gehörte zu den 16 Quadratkilometern der Innenstadt, die durch Bomben tatal zerstört wurden. Das Stadtviertel - begrenzt durch die Strehlener-, Ackermann-. Reichenbach- und Reichsstraße (jetzt Fritz-Löffler-Straße) wies gerade mal 5 Häuser auf, die noch bewohnbar waren.
Der Eintritt ins Rentnerleben, das Jahr 1989 und die damit verbundene Aktivierung des Erinnerungsvermögens haben bewirkt, daß wir seit Anfang der 90er wieder Kontakte knüpfen konnten. Die jährlichen Klassentreffen bilden einen Höhepunkt.
In Vorbereitung auf das 60 jährige Jubiläum unserer Schulentlassung kam im vergangenen Herbst ein Artikel in den Dresdner Neuesten Nachrichten uns gerade recht; er beinhaltete die Mitteilung (mit Bild), daß die Bürgerschule Gutzkowstraße 30 - Hundert Jahre alt - wieder ihr früheres Aussehen erhalten hat.
Die Idee eines Besuches durch uns ehemalige Schüler wurde dank Frau Christa Lenk am 26. Mai 1999 in die Tat umgesetzt.
Anerkennung auch denen, die das so sehr zerstörte Gebäude dem Original gleichend wie ein Ei dem anderen wieder rrichtet haben.
Wünschen wir uns, daß in dem so verkehrsgünstigen Gebiet die noch zahlreichen Baulücken recht bald geschlossen werden.
Gesammelt und aufgeschrieben im Juni 1999 von Wilfried Müller, Jahrgang 1923
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